Siegelbruch
Die Zeit vor dem Siegelbruch - Besiedelung Naivaras
Vor den Menschen
Bevor die Menschen ihren Fuß auf die Insel setzten, war Naivara eine Welt voller wilder Ursprünglichkeit. Die Insel wurde von Tierwesen und anderen Nicht-Menschen bevölkert, die in kleinen Sippen oder Dörfern lebten. Diese Gruppen waren eng mit der Natur verbunden und folgten einer Lebensweise, die durch Respekt vor den natürlichen Zyklen und Ressourcen geprägt war. Die Reviere der einzelnen Stämme waren fest abgesteckt, und insbesondere die karnivoren Gemeinschaften verteidigten ihre Territorien rigoros gegen Eindringlinge.
Die Lebensweise der Tierwesen war vergleichbar mit den frühen Kulturen indigener Völker in heutigen tropischen Regionen. Ihre Technologie befand sich auf einem rudimentären Niveau: Metallverarbeitung war nur in Ansätzen bekannt, und der Fokus lag auf handwerklichen Traditionen, die eng mit der Umwelt verbunden waren. Diese Stämme verfügten jedoch über ein tiefes Wissen über die Gefahren des Dschungels, das ihnen half, in dieser wilden Umgebung zu überleben und zu gedeihen.
Die Ankunft der Menschen
Etwa 500 Jahre vor dem heutigen Zeitpunkt landeten die ersten menschlichen Siedler auf Naivara. Diese Neuankömmlinge waren nicht die ersten Menschen auf der Insel: Vor ihnen gab es bereits indigene Ureinwohner, deren Zahl jedoch gering war. Die Ureinwohner unterschieden sich von den Siedlern durch ihre dunkle Hautfarbe und lebten ähnlich wie die Tierwesen in isolierten Gemeinschaften.
Die ankommenden Siedler waren keine freiwilligen Kolonisten, sondern Verstoßene von einem entfernten Kontinent. Dort verehrten die Menschen ursprünglich zwölf Götter, doch mit der Zeit verschmolzen einige der Gottheiten im Glauben zu einer neuen Entität und wurden unter neuem Namen verehrt. Auf Naivara etablierten sich schließlich acht Götter, die von den Menschen verehrt wurden, da sich diese göttlichen Wesen auf mysteriöse Weise sichtbar zeigten und die Insel in ihrer Schicksalskrise unterstützten.
Mit den Menschen begann eine neue Ära: Sie kolonisierten auch die unwirtlichen Regionen der Insel, was die einheimischen Tierwesen in Bedrängnis brachte. Viele Stämme wurden verdrängt oder dezimiert. Doch die Begegnung zwischen Menschen und Tierwesen brachte auch Fortschritt. Der Handel und der Austausch von Wissen führten zu einem rapiden handwerklichen und technologischen Fortschritt der Tierwesen. Innerhalb von nur einem Jahrhundert hatten die Menschen Naivara als dominante Spezies etabliert, doch das Zusammenleben blieb von Spannungen geprägt.
Vor 20 Jahren - Die Entdeckung alter Ruinen
Vor etwa zwei Jahrzehnten machten Expeditionen im Nordosten der Insel eine folgenschwere Entdeckung: sie stießen auf Ruinen von beeindruckendem Alter und unbekannter Herkunft. Zunächst herrschte Unklarheit über deren Ursprung und Zweck. Doch als Magier und Gelehrte die Ruinen eingehend untersuchten, wurde nach und nach klar, dass sie Teil eines komplexen Bannsiegels waren. Dieses Siegel hielt eine mächtige, uralte Kraft eingeschlossen.
Die Forschungen ergaben jedoch auch, dass die Versiegelung in die Jahre gekommen war. Die Magier der Akademien erkannten die Gefahr und beschlossen, das Siegel zu erneuern, um das, was dort gebannt war, weiterhin zu binden. Doch nicht alle waren sich einig. Eine kleine Gruppe von Magiern, von Ehrgeiz und Machtgier getrieben, war fasziniert von den Inschriften der Ruinen, die von unendlicher Macht sprachen, sollte man das Wesen kontrollieren können, das dort gebunden war.
Diese Differenzen führten schließlich zum unausweichlichen: Das Siegel wurde gebrochen. Ein gleißendes Licht am Himmel, durchzogen von mysteriösen Runen, markierte den Moment des Bruchs und hallte über die gesamte Insel. Dieses Ereignis, das in die Geschichte als Beginn des "großen Krieges" eingehen sollte, ist bis heute jedem Naivarianer in lebhafter Erinnerung geblieben. Doch statt eine kontrollierbare Macht zu entfesseln, öffnete das gebrochene Siegel ein Portal – der Beginn der Invasion.
Vor 10 Jahren - Der Siegelbruch und die Invasion
Der Bruch des Siegels hatte verheerende Konsequenzen. Durch das Portal strömten albtraumhafte Kreaturen, die sich tief aus den Ängsten und Vorstellungen der Menschen speisten - heute als 'Siegelmonster' bekannt. Diese Monster überzogen die Insel mit Zerstörung. Innerhalb eines Jahres waren weite Teile der Insel verwüstet.
Die Menschen von Naivara, die einst in Konflikten untereinander standen, schlossen sich zusammen, um der Bedrohung zu trotzen. Doch die schiere Anzahl und Kraft der Monster war überwältigend. Hunderttausende verloren ihr Leben, und die Insel wurde von Leid und Elend gezeichnet.
Nur die vier großen Städte – Incaria, Goldfels, Khalef und Corrad – konnten sich als Bastionen gegen die Invasion behaupten. Diese Städte sind seither die letzten Zufluchtsorte der Menschheit und fungieren als Festungen gegen die unaufhörlich vorrückenden Horden. Doch die Monster haben die Insel tiefgreifend verändert: weite Regionen sind unbewohnbar geworden und von magischen Anomalien durchzogen. Besonders gefürchtet sind die Ewige Leere im Nordwesten, die Diamantfelder im Südwesten und die Pestwüste im Zentrum. Solche magisch verseuchten Gebiete finden sich überall auf Naivara, ebenso wie die Ruinen einst blühender Städte und Dörfer.
Heute - Ein niemals endender Krieg
Obwohl die offenen Schlachten derzeit ruhen, ist der Krieg auf Naivara noch lange nicht vorbei. Es ist vier Jahre her, dass eine Stadt fiel, und die verbleibenden vier Städte stemmen sich verzweifelt gegen den Untergang. Die Angriffe der Monster kommen nach wie vor, wenn auch in unregelmäßigen Abständen. Für die Bewohner der Insel ist der Kampf allgegenwärtig: er prägt ihren Alltag, ihre Beziehungen und ihre Hoffnungen.
Innerhalb der menschlichen Gesellschaft wachsen zusätzlich neue Konflikte. Viele Überlebende hegen Misstrauen oder sogar Hass gegenüber Magiern, die sie für das entfesselte Leid verantwortlich machen. Die einst geeinte Front gegen die äußere Bedrohung beginnt Risse zu zeigen. So droht Naivara nicht nur durch die andauernde Monsterinvasion zu zerbrechen, sondern auch durch interne Spannungen, die die menschliche Gemeinschaft zu spalten drohen. Der Krieg, so scheint es, ist nicht mehr die einzige Bedrohung, der die Bewohner der Insel gegenüberstehen.